(N)ostalgie auf Rädern: Jürgen Ribbecke veranstaltet Treffen für Oldtimer-Liebhaber in Kleinkühnau

2022-05-27 09:30:47 By : Ms. Katina Yang

Er hofft, dass viele mitfeiern wollen. Geplant ist eine große Oldtimerausstellung, Treffen ehemaliger IFA Mitarbeiter und eine Ausfahrt rund um Kühnau.

Kleinkühnau/MZ - Multicar, Barkas, MZ, Simson, Diamant, Mifa. Das alles klingt wie Musik in den Ohren von Jürgen Ribbecke. Mit vielen dieser Marken wird es am Sonnabend, dem 28. Mai, auf der Kleinkühnauer Hauptstraße ein Wiedersehen geben. Ein IFA-Treffen hat Ribbecke für diesen Tag organisiert.

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gründete sich der Industrieverband Fahrzeuge (IFA) in der DDR. Fast alle Betriebe, die Lkw, Busse, Autos, Motorräder, Mopeds, Fahrräder und Anhänger im Arbeiter-und Bauernstaat produzierten, bauten und vertrieben ihre Produkte in Verbindung mit der Dachmarke IFA. Der einstige Werbeslogan „Wer IFA fährt, fährt nie verkehrt“, hatte dadurch auch im Alltag der DDR eine sehr reale Berechtigung. Denn der Durchschnittsbürger kam für seine Mobilität kaum an einem Produkt der IFA vorbei.

Der Kleinkühnauer Ribbecke machte nach der Schule erste berufliche Erfahrungen im IFA-Kosmos. Nicht am Fließband einer Fabrik, sondern im Handel, als Fachverkäufer. „Ich wusste ziemlich lange nicht, was ich beruflich machen sollte“, gesteht der heute 63-Jährige. Da nahm ihn eines Tages seine damalige Klassenlehrerin beiseite und empfahl ihm in die Verkaufslehre bei IFA zu gehen. Ihr Mann war Chef des IFA-Vertriebs im Bezirk Halle.

Ribbecke war in seiner Freizeit leidenschaftlicher Radrennfahrer. Der Job in einem Fahrradgeschäft passte aus Sicht der Lehrerin ganz gut zu ihm. So trat er 1976 die Lehre in einem Fahrradgeschäft in der Antoinettenstraße an. Vier Wochen Ausbildung im Dessauer Fahrradgeschäft, wechselten sich jeweils mit vier Wochen Unterricht in Zschopau ab. Schnell merkte er, dass junge Männer im Verkauf der IFA damals eher die Ausnahme waren. Er fühlte sich wohl in der Rolle des Hahns im Korb.

„Das war mein absoluter Traumjob“, blickt der Kleinkühnauer heute zurück. Auch wenn der Arbeitsalltag mit von Früh bis Spät im Laden stehen und regelmäßigen Diensten an Samstagen anstrengend sein konnte, Räder und Zubehör Mangelware waren, Ribbecke blühte trotzdem in seinem Job auf. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Roßlau, wechselte er 1981 in das Autohaus in der Köthener Straße, um dort in einer Fachabteilung Anhänger und Wohnwagen zu verkaufen. Obwohl er im Autohaus an der Quelle saß - den begehrten neuen Trabant gab es für ihn erst ein Jahr vor dem Mauerfall.

Der und die Wiedervereinigung läuteten schlagartig das Ende von IFA ein. Produkte unter dieser Dachmarke hatten gegen die westliche Konkurrenz keine Chance mehr. 1992 machte sich Ribbecke mit einem Fahrradhandel und einer Fahrradwerkstatt in der Kleinkühnauer Hauptstraße selbstständig. 2008 musste er das Geschäft schließen. Nach zwei Organtransplantationen 2016 und 2017 hat der Kleinkühnauer seinen früheren Beruf zum Hobby gemacht und repariert in seinem Haus für Trinkgelder Räder von Freunden und Bekannten. Doch IFA hat ihn auch nach der Wende nicht mehr losgelassen. „Man kann nicht genug wertschätzen, was Leute damals für und mit IFA geleistet haben“, stellt er fest.

IFA-Treffen, die er landauf, landab in den neuen Bundesländern besucht oder selbst organisiert (2007, 2012, 2022), sind für ihn immer wie ein Nachhausekommen. „Jedes Treffen fühlt sich wie ein Klassentreffen an. Man fühlt sich wie ein Teil einer großen Familie“, sagt Ribbecke.

Genau dieses Gefühl möchte er am 28. Mai nach Kleinkühnau holen. 55 Jahre IFA Vertrieb im Bezirk Halle und die Gründung seines inzwischen geschlossenen eigenen Fahrradgeschäfts vor 30 Jahren sind für ihn Gründe zum Feiern. Er hofft, dass viele mitfeiern wollen, rund um die Old Kine, Hauptstraße 14, Kleinkühnau, von 10 bis 22 Uhr, mit einer großen Oldtimerausstellung, Treffen ehemaliger IFA Mitarbeiter, Ausfahrt rund um Kühnau, ab 14 Uhr, Schule Kleinkühnau und mit Musik und DJ-Unterhaltung ab 16 Uhr.